Im wilden Osten

„Nach Mecklenburg? Ich weiß nicht“…. Zuerst habe ich gezögert. Der Osten, dachte ich, hat außer Filterkaffee und brauner Gesinnung nicht allzu viel zu bieten. Und dann schoß mir durch den Kopf: „Achtung fettes Vorurteil! Es wird Zeit, mal wieder eines auf den Prüfstand zu stellen“. Das mache ich nämlich von Zeit zu Zeit wenn ich mich dabei ertappe, über etwas zu urteilen was ich gar nicht kenne.

Platte

Ein Plattenbau in Mecklenburg

Der Müritzer Nationalpark

Also nichts wie hin. Mein Ziel: der Müritzer Nationalpark. Schon auf dem Weg dorthin bemerke ich wie mit jedem Kilometer die Zeit langsamer tickt, die Ortschaften kleiner und die Landschaften beeindruckender werden.  Meine Augen ertrinken in sattem Grün. Wo ich auch hinschaue: grün! Dunkelgrün, hellgrün, moosgrün, apfelgrün, grasgrün. Aber immer grün. Manchmal sehe ich über Kilometer kein Haus, keinen Zaun keinen Menschen. Nur Felder und Wälder und darüber ein blauer Himmel an dem weiße Wolken wie Federn treiben. Ich bin wirklich überrascht, dass es in Deutschland solche Landschaften gibt!

ursprüngliche Landschaft

ursprüngliche Landschaft in Mecklenburg

Alte Buchen im Müritz-Nationalpark

Der Müritz-Nationalpark ist bekannt für seine Buchenwälder, die seit 2011 den UNESCO-Weltnaturerbe Status haben. In den Weiten dieser Wald-und Seenlandschaft bekomme ich ein Gefühl dafür, wie damals wohl die Urwälder Deutschlands ausgesehen haben mögen. Ich stapfe zwischen alten Bäumen über moosige Pfade, rieche Erde und Feuchte, sehe Farne, Waldblumen und….Mücken.

 

Mit ein bisschen Glück kannst du zudem Rothirsche, Damwild, Waschbären sowie jede Menge Vögel, See-und Fischadler, Kraniche und Rohrdommeln sehen.

Zum Teufel mit den Vorurteilen

Mitten im Naturschutzgebiet Serrahn, einem Teil des Müritz-Nationalparks finde ich ein zünftiges Plätzchen für Kaffee und Kuchen. Hier lebt Kristina mit ihren drei Söhnen. Idyllisch ist es hier, aber auch einsam. Nicht mal Handyempfang gibt es. Ganz schön mutig finde ich. Aber wenn man schon mitten im UNESCO-Weltnaturerbe lebt muß man diesen Preis wohl zahlen.

Schuhe

Mitten im Nationalpark: ein Forsthaus mit einer kleinen Familie

Jeden Morgen fährt Kristina ihre Kinder ein paar Kilometer bis zur Landstrasse, wo sie den Bus zur Schule nehmen.  Kristina sagt, sie liebe dieses zurückgezogene Leben. Im Winter füttert sie Kleiber, Buchfinken und Kernbeißer. Manchmal kommen auch Rehe bis zur Terrasse, oder ein Dachs schaut vorbei. Früher ist sie viel gereist, war in Asien unterwegs. Doch irgendwann wollte sie zurück zu den Wurzeln, in ihr Elternhaus. Ihre Mutter ist schon 1955 ins Forsthaus eingezogen, als Ehefrau des Försters. Und obwohl so isoliert hatte die Familie immer wieder Besuch von Menschen aus der ganzen Welt. Ein Vietnames schrieb hier sein Doktorarbeit. Auch heute bekommt Kristina Besuch aus aller Welt, diesmal von Flüchtlingen, die inzwischen ihre Freunde geworden sind. Dann wird multikulti-mässig gekocht und gefeiert.

Landschaft

Serrahn, UNESCO Weltkulturerbe

Wieder einmal muss ich ein Vorurteil revidieren. Dachte ich doch, im Osten sei man tendenziell eher ausländerfeindlich. Das ist eben das Gute am Reisen: ich muss mir immer wieder ein eigenes, neues Bild machen und kann meine Vorurteile getrost begraben. Das gilt eben nicht nur für Fernreisen, sondern auch für Reisen im eigenen Land. Und da gibt es offenbar noch viel zu entdecken!

Kavaliershaus Schloss Blücher ist eine alte Schule

Aber jetzt geht es erst mal in eine ganz besondere Unterkunft: das Kavaliershaus Schloss Blücher, eine alte Schule, wunderschön restauriert. Sie liegt in einem großen Garten, umgeben von alten, knorrigen Eichen, einer mexikanischen Spitzblattbuche und Plantanen. Das weitläufige Gelände führt bis zum hoteleigenen Badestrand am Finkener See. Das Besondere des Hotels: im ganzen Gebäude sind Spuren seiner Geschichte erhalten und bewusst ins rechte Licht gerückt. Die Suiten sind riesig groß und hell, mit Designerlampen und wunderbar aufbereitetem Holzboden ausgestattet. Insgesamt gibt es 12, die ich mir alle anschauen durfte. Jedes Zimmer ist anders und einige haben sogar eine kleine Küche und einen Essbereich. Toll, wenn man mit Kindern unterwegs ist, denke ich als ich mein Quartier beziehe.

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liebevoll restauriert: das Kavaliershaus Schloss Blücher

Eine Yogamatte auf dem Zimmer

In meiner Suite erinnern mich altes Mauerwerk und geschickt in Szene gesetzte alte Farbanstriche an den Wänden daran, dass hier einmal Kinder die Schulbank gedrückt haben. Es hat so gar nicht den anonymen Touch von normalen Hotels. Ich spüre, dass hier jemand mit ganz viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen ist. Und noch eine Überraschung wartet: im Schrank befinden sich nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Bademantel und Pantoffeln; Es wartet sogar eine Yogamatte, die ich sofort auf dem schönen, restaurierten Holzboden ausbreitete, um mich nach der langen Reise zu dehnen und zu strecken. Bin mal gespannt wie ich in der ehemaligen Schule schlafen werde. Ich habe zwar schon als Schülerin manches  mal im Klassenzimmer geschlafen, aber eher aus Langeweile oder weil ich Karneval zu viel gefeiert habe. Hier herrscht definitv eine andere, sehr gemütliche Atmosphäre.

Das Restaurant

Auch das Restaurant war früher ein Klassenzimmer

Lecker essen im Klassenzimmer

Im ehemaligen Klassenzimmer der „Teiloberschule Finken“ befindet sich das Restaurant, zum Teil noch ausgestattet mit Originalschulbänken. Auf der Fensterbank liegt ein altes Lineal und an den Wänden hängen Fotos von damals. Chefkoch Gunnar Müller ist Slow-Food Anhänger. Seine Gerichte zaubert er aus regionalen Zutaten, manches aus dem eigenen Garten und biologisch angebaut. Alles ist sehr, sehr lecker! . Bemerkenswert finde ich, dass man dieses tolle Ambiente schon für 50 Euro pro Nacht/Person inklusive Frühstücksbuffet buchen kann (Spezial)

 

 

Und im nächsten Post geht es ab aufs Wasser: mit dem Kanu

 

 

 

 

Die Recherchen zu dieser Reise wurden durch eine Pressereise ermöglicht. Vielen Dank für die Gastfreundschaft  an TNHotelMediaConsulting

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