Krank in Mexico

Wie oft habe ich mir das selbst eingetrichtert: außerhalb von Europa nur Gekochtes oder Geschältes! Kein Salat! Aber irgendwann kommt der Moment, wo ich nicht widerstehen kann.

Strassen von San Cristobal, Mexico

bunt sind die Häuser in San Cristobal

Brechdurchfall, und nun?

In meinem Hostel sind alle krank. Wirklich alle. Die Klospülung ist hyperaktiv. Die ganze Nacht geht das so. Rauschen in der Leitung, Schlagen von Türen, Stöhnen und Jammern. Blasse Gestalten schwanken morgens aus ihren Zimmern. Puh…was ist denn hier los? Das sei, heißt es, ein Virus. Der grassiere im Ort. Das ganze Dorf habe Brechdurchfall. Kann doch nur am Wasser liegen, denke ich und putze mir sogar die Zähne mit Leitungswasser. Auch Geschirr und Besteck aus der Gemeinschaftsküche mag ich gar nicht mehr anrühren. Ich habe mir ein Set ausgekocht und das verlässt mein Zimmer nicht.

Montezums Rache

Wenn Montezumas Rache zuschlägt fragt man sich: warum mache ich das eigentlich alles?

Ich bin nun seit 6 Wochen in Mexico unterwegs. Nix passiert. Immer gesund. So soll es auch bleiben, denke ich. Es gefällt mir in San Cristobal. Ich wandele zwischen alten Kolonialhäusern, bummele auf dem lebhaften Platz vor der Kathedrale, mache Yoga und Ausflüge in die Umgebung. Und esse Salat. Bäm.

Nicht ohne meine Auslandskrankenversicherung!

Und dann erwischt es mich doch. War es der Virus im Hostel oder war es der Salat? Ich werde es nie erfahren. Vielleicht hat mich auch nur der Anblick der ganzen Kranken krank gemacht. Um dem zu entgehen habe ich seit gestern ein Einzelzimmer mit Bad in einem netten kleinen Hotel bezogen. Ein eigenes Bad ist eine feine Sache, vor allem wenn man krank ist. Es wird mein Daueraufenthaltsort für 24 Stunden. Die Details erspare ich Euch. Nur so viel sei gesagt: in Windeseile hänge ich so schlapp in den Seilen, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Anders als die todesmutigen Hostel-Mitbewohner, von denen einige seit 3 Tagen nichts mehr bei sich behalten konnten und die nur noch ein Schatten ihrer selbst waren, rufe ich am zweiten Tag, als  als das Fieberthermometer 40 Grad zeigt, einen Arzt. Dafür, bitte schön, habe ich eine Auslandskrankenversicherung. Und die sagt mir auch ruckzuck wen ich anrufen soll.

Der Arzt kommt mit Rettungssanitäter

Der Arzt kommt mit Rettungssanitäter

Arzt in Mexico

Der Arzt kommt sogar zu Zweit und bringt mich ganz und gar mexikanisch zum Lachen, trotz meines desolaten Zustandes. Er krabbelt auf mein Hochbett, haut einen Nagel in den Dachbalken und hängt dort eine Infusionsflasche auf. Seine Begleitung, ein Rettungssanitäter (!) steigt ebenfalls auf das Hochbett und legt mir einen sauberen Zugang an meiner bildschönen Arterie. Die Diagnose: bakterielle Infektion und akute Dehydratation. Will heißen: mein Zustand ähnelt einer getrockneten Kartoffel, die innen von Bakterien aufgefressen wird.

Tropf in Mexico

Wer weiß schon welche Drogen er da rein gespritzt hat

Lustig lachen am Tropf

Der Doc spritzt so Einiges in die Infusionsflasche und hängt mich dann an den Tropf. Ich möchte gar nicht wissen welche Drogen er da zugesetzt hat. Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus und innerhalb von 5 Minuten habe ich das Gefühl ich könnte Bäume ausreißen. Leider hält der Zustand nur so lange ich am Tropf liege. Später, als der Arzt und sein flüssiges Leckerli fort sind, geht es mir wieder schlechter. Aber immerhin: ich bin nicht mehr ans Klo gebunden und kann am nächsten Tag wieder Kleinigkeiten essen und am übernächsten sogar weiter reisen. Et hät noch einmal jot jejange, wie der Kölner sagt.

San Cristobal Morgendämmerung

Am nächsten Morgen geht es mir schon viel besser

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