Inselhopping Nordsee: Wangerooge

Über mein Comeback an der Nordsee habe ich ja schon geschrieben. Nach dieser späten Einsicht in Sankt Peter Ording musste ich natürlich unbedingt noch mal an die lieb gewonnene Nordsee, diesmal zu den Ostfriesischen Inseln.

Das runter kommen fängt schon im Zug an. Im ICE Richtung Norden rege ich mich noch auf: über Verspätung, über nicht vorhandenes W-Lan, über fehlende Seife auf dem Klo und über einen übelgelaunten Schaffner. Dann umsteigen, Zug verpasst, warten, und weiter geht’s nach Oldenburg. Jetzt wieder umsteigen, der Zug wird immer kleiner, die Ortsnamen immer lustiger: Norden. Ich stelle mir vor: ein paar Ostfriesen sitzen beim Jever und überlegen wie sie ihren Ort nennen sollen. Sagt einer: „liegt im Norden. Also Norden.“ Sagen die anderen: „Jo.“ Und Prost.

Von Norden aus geht es weiter mit dem Bus nach Harlesiel. Der hält an jeder Laterne und ist die Gemütlichkeit in Person. Unter den Passagieren einer mit Tourette-Syndrom, schimpft und flucht voller Inbrunst und sehr phantasievoll wann immer der Bus anhält. Es ist lustig. Neben mir ein junges Mädchen. Ob sie von hier sei frage ich sie. Ja, sagt sie. Mit feiern sei hier wohl nix, frage ich. Stimmt, sagt sie. Der letzte Bus um 19 Uhr. Aber trotzdem wolle sie hier nicht weg. Warum nicht? frage ich.

Weil es hier schön ist wie nirgendwo, sagt sie.

Ich schaue aus dem Fenster. Weite. Wolken. Himmel. Recht hat sie, denke ich.

Am Harlersiel aussteigen. Fühlt sich an wie das Ende der Welt: ein paar Leute hängen am Pier rum und warten auf die Fähre, Möven kreischen und der Wind trägt den verlockenden Geruch von Fisch, Algen und Freiheit herüber. Ab hier fängt die Welt der Osfis an. Katja bringt sie mir näher. Osfis, sagt sie und meint Ostfriesische Inseln. Ist ihr zu lang. Katja ist ein Nordlicht. Und Nordlichter reden nicht viel. 7 Inseln sind es: Baltrum, Borkum, Juist, Langeoog, Norderney, Spiekeroog und Wangerooge. Ich will erst mal nach Wangerooge.

Wangerooge Seeluft schnuppern

Wangerooge Seeluft schnuppern

Wangerooge ist klein und autofrei

Wangerooge ist die östlichste Insel und knapp 8 Kilometer groß. Zwischen Insel und Festland liegt das Weltnaturerbe Wattenmeer das bei Ebbe weitgehend trocken liegt. Herrlich ist das Ankommen auf der Insel. Ein kleiner Inselzug, die einzige Schmalspurbahn der Deutschen Bahn, bringt die Besucher auf der autofreien Insel zum Ort. Es ist die letzte für heute. Kurz vor Sonnenuntergang tuckern wir durch die Salzwiesen. In Wasserprielen spiegelt sich das Rot des Abendhimmels. Schön ist das und friedlich.

die einzige Schmalspurbahn der Deutschen Bahn

die einzige Schmalspurbahn der Deutschen Bahn

Gesund mit Thalasso

Und gesund. Früher sagte man: fahr mal an die Nordsee; die Luft wird dir gut tun. Heute sagt man: mach doch mal eine Thalassotherapie. Dabei ist das gar nicht mal so neu. Schon um 1800 hat man mit Seeluft, Meerwasser, Algen und Schlick therapiert und erfand dafür den wohlklingenden griechischen Namen „Thalasso“.  Sollte und soll helfen gegen Rheuma, Erschöpfung und Herz-Kreislauf-Problemen. Darüber hinaus auch gut gegen Stress, stärkt das Immunsystem, fördert die Durchblutung und eine reine Haut. Sagt man. Abgesehen von glitschigen Packungen und Kosmetikprodukten besteht Thalasso im Wesentlichen aus…atmen. Ja, richtig gehört. Beim atmen von Seeluft entern Aerosole unsere Nebenhöhlen, Bronchien und Lungen . Sie enthalten Salzwassertröpfchen, die sich je nach Größe im Nasen-Rachenraum anreichern oder bis in die Lungenbläschen vordringen. Und da packen sie dann den Besen aus und machen mal so richtig reine.

Auf die Dosis kommt es an

Allerdings, aufgepasst: auf die Dosis kommt es an. Viele bekommen in den ersten Tagen an der Nordsee das, was sie eigentlich nicht haben oder sogar loswerden wollten: Husten und Schnupfen. Nicht umsonst nennt man das Klima an der Nordsee ein Reizklima. Nicht weil es so überaus reizend zu seinen Besuchern wäre sondern weil es die Atmungsorgane reizt. Und zwar umso mehr, je dichter wir an der Brandungszone entlang laufen.

Natürlich läuft jeder Depp sofort in die Brandungszone weil es ja so gesund sein soll. Falsch und vor allem für vorgeschädigte Atmungsorgane eine Eintrittskarte zum krank werden. Wer alles richtig machen will fängt in der Inselmitte mit Spaziergängen an und arbeitet sich langsam bis zur Brandungszone vor. Die kleine Insel Wangerooge ist deshalb in 3 Klimazonen eingeteilt: Zone 1, die Brandung, hochdosiert. Zone 2, in den Dünen, schon gefälliger und Zone 3 im Inselinneren ganz gemässigt.

Hab ich von einer Thalassotherapeutin gelernt und mich an den ein oder anderen Schnupfen erinnert, den ich mir tatsächlich an der Nordsee zugezogen haben. Diesmal aber nicht. Gleich in die Brandungszone, Juchhuu, Nordseeluft schnuppern und trotzdem gesund geblieben.

Hagebutten und Sanddorn wächst überall auf der Insel

Hagebutten und Sanddorn wächst überall auf der Insel

Aber vielleicht lag es auch einfach an den Vitamin C-Bomben in meinen Sundownern. Es wächst nämlich Sanddorn auf der ganzen Insel. So ein Sanddorn-Sprizz gibt es in den sogenannten Milchbars am Strand. Dort gab es früher die Milch. Heute gibt es neben den üblichen Fischbrötchen immer noch Milchreis und eben auch Sanddorn-Sprizz. Eine leckeres und gesundes Getränk, das ich gerne abends zu mir genommen habe, um der gleichfarbigen Sonne beim Untergang zuzusehen.

Nach 2 Tagen atmen in der Brandungszone, Vögel gucken und Fahrrad fahren in den Dünen geht es mit einem Bootstaxi nach Spiekerooge. Davon mehr beim nächsten Mal.

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Vielen Dank der Nordsee Gmbh, die mich auf diese Pressereise eingeladen hat.

 

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