Fuß verstaucht, was nun?

Wir Deutschen sind an allseits genormte Treppenstufen und TÜV abgenommene Schwellen gewöhnt. Kein Wunder, wenn wir auf Reisen in die ein oder andere Stolperfalle geraten. In Managua oder Mexico sind 50cm tiefe Löcher auf dem Bürgersteig ohne jede Kennzeichnung oder Absperrung keine Seltenheit. Fragt man nach, heißt es:

Da wird gerade etwas gebaut oder repariert, eine Leitung gelegt oder heraus gerissen oder man hat einfach vergessen das Loch wieder zuzumachen.

Zudem warten tückische Pflastersteine, Schlaglöcher und, ach ja, Treppen mit völlig unterschiedlichen Stufenhöhen…nicht nur in alten Mayatempeln.

So schön diese Strassen in Tepoztlan auch sind: nicht ideal für Gehbehinderte und High Heels

Ich war kaum eine Woche in Mexico da ist es auch schon passiert. Eine Stufe vom Bad ins Zimmer, alles weiß gekachelt, quasi total unsichtbar und zack, böse umgeknickt und hingefallen. Glück im Unglück: es war „nur“ der Fuß. Aber wie! Ich konnte förmlich zusehen wie er anschwoll und blau anlief. Von den Schmerzen nicht zu reden.

Erste Hilfe

Hier kommen nun die wichtigsten Sofortmaßnahmen für den Fall des gestauchten Fußes, die auch als PECH-Regel bezeichnet werden.

  1. P für Pause: Unbedingt sofort und möglichst für die nächsten 24 Stunden den Fuß hochlagern. Nicht laufen!
  2. E für Eis. Den ruhenden Knöchel kühlen, entweder mit Eis oder mit einem feuchten Lappen, falls kein Eis vorhanden. Das Eis nicht direkt auf die Haut sondern über ein Tuch oder den Verband legen.
  3. C für Compression. Einen Druckverband um den Knöchel anlegen. Das soll verhindern dass der Fuß massiv anschwillt. Ich hatte keinen Verband dabei und habe ein altes T-Shirt zerschnitten.
  4. H für Hochlagern. Der Fuß sollte sich mindestens in Herzhöhe befinden um eine Ansammlung von Flüssigkeit zu verhindern.

Mindestens 24 Stunden sollte der Fuß so versorgt werden. Dazu kann man Ibuprofen oder andere Entzündungshemmer einnehmen. Der Heilungsprozeß eines verstauchten Knöchels dauert je nach Beteiligung der Bänder bis zu 6 Wochen und länger. Trotzdem kein Grund nach Hause zu fahren!

Nach 2 Tagen konnte ich mich dank der konsequent eingehaltenen PECH-Regel wieder humpelnd fortbewegen und bin in den nächsten Ort gefahren um den Fuß röntgen zu lassen und einen Bruch auszuschliessen. Das war in einer Privatklinik in Tulum und hat etwa 30 Euro gekostet (Arzt und 2 Röntgenaufnahmen). Auch wenn es in diesem Fall nicht nötig war: eine Auslandskrankenversicherung ist in meinen Augen ein Muss! Sie kostet wenig und kann im Notfall viel. Da sollte man auf keinen Fall geizen. Achtung: die normale Jahresversicherung für Krankheit im Ausland ist ausschliesslich für Aufenthalte unter 6 Wochen! Darüber muss eine Langzeitversicherung abgeschlossen werden. Aber dazu mehr in einem späteren Blogpost.

Alle Leute, die mir in der „Invalidenzeit“ begegnet sind, waren unglaublich nett und hilfsbereit. In den ersten beiden Tagen brachten mir Mitarbeiter des Hotels Eis, Getränke und Essen ans Bett oder an die Hängematte und ein Gärtner bastelte mir aus einem Besenstiel eine Gehhilfe.

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Allerdings musste ich meine Reispläne angepassen. Anstatt, wie geplant, gleich mit Bussen und diversen Stopps weiterzureisen habe ich 5 Tage pausiert und dann das Flugzeug und TAxi zum nächsten Ziel genommen wo ich abermals mehrere Tage pausiert habe. Denn ein gestauchter Fuß sollte nicht noch mit dem zusäztlichen Gewicht eines Rucksackes gequält werden.

Ich sag mal so: es gibt schlimmere Schicksale als in so einer Umgebung zu pausieren!

Comeback mit Backpack: Eine Zeitreise durch Südamerika„>hier findet ihr noch mehr Tipps . Z.B. Yogaübungen für den Rucksackrücken, Atemübungen gegen Schlafstörungen und Ängste, Was tun gegen Thromboserisiko…etc