Archiv des Autors: Gitti Müller

Über Gitti Müller

Ich bin Journalistin und mache Filme und Magazinbeiträge für die ARD. Daneben arbeite ich als Trainerin und Medienberaterin für Sender im südamerikanischen Ausland. Mein Leidenschaft ist das Reisen und Geschichten erzählen mittels Bilder. Ich filme und fotografiere mit Canon D60. http://de.wikipedia.org/wiki/Gitti_Müller www.gitti-mueller.de

Ein Wort zum Welt-Mädchen-Tag

Wer hätte gedacht, daß wir im Jahr 2019 immer noch einen Girls-Day brauchen, über Gleichberechtigung und Gender-Pay sprechen müssen? Ich nicht.

Als ich vor fast 44 Jahren, in den 60er Jahren, von der Realschule auf das Gymnasium wechseln wollte bekam ich von meinen Eltern folgenden Spruch zu hören:

„wieso das denn? Was willst du denn mit einem Abitur. Du wirst ja mal heiraten und Kinder bekommen.“

Ich protestierte, bettelte, heulte Rotz und Wasser, schmollte und aß tagelang keinen Bissen. Aber es half alles nichts. Ich war noch minderjährig, musste mich fügen, durfte mein Abitur nicht machen. Und das, obwohl meine Lehrer mit Engelszungen auf meine Eltern einredeten weil ich eine gute Schülerin war und sie mein Potential sahen.

Ich habe mein Abitur dann viel später gemacht, im Alter von 33 Jahren auf dem Zweiten Bildungsweg. Das dauerte 3 Jahre, finanziert durch BAFÖG. Anschliessend – inzwischen Mutter- habe ich studiert bis zum Masterabschluß, wieder finanziert durch BAFÖG. Der ganze Spaß hat fast 10 Jahre gedauert. Die letzte Bafög-Rate habe ich vor ein paar Jahren zurück gezahlt, quasi kurz vor der Rente. Da der Zweite Bildungsweg für die Rente nicht anerkannt wird (es zählt die erste Ausbildung) erwartet mich ein Witz von Rente.

Ich grolle meinen Eltern nicht. Meine Mutter musste noch den Ehemann um Erlaubnis bitten wenn sie arbeiten wollte, brauchte eine schriftliche Genehmigung meines Vaters um ein Konto einzurichten und durfte ohne seine Zustimmung keinen Führerschein machen. Sie haben es nicht besser gewußt. Heute bin ich die Einzige in der Familie, die einen Universitätsabschluß hat. Mein Bruder hatte es deutlich leichter, er war auf dem Gymnasium, hat Abi gemacht, sein Studium aber später abgebrochen und gearbeitet. Keine Bafög-Schulden, mehr Beitragsjahre, bessere Rente.

Während meiner Berufstätigkeit als Freie Journalistin war es mit der Gleichberechtigung auch nicht gerade toll. Als mein Kind 4 Jahre alt war wurde in der Redaktion der Deutschen Welle, wo ich zu der Zeit regelmässig Fernsehbeiträge machte, eine feste Stelle frei. Mein Mann war gerade verstorben, ich war alleinerziehend ohne Witwenrente oder Waisenrente. Die Stelle war wie für mich gemacht, also sprach ich den Redaktionsleiter an. Der sagte:

„vergiß es Gitti, auf die Stelle will sich O. bewerben (männlicher, ein paar Jahre jüngerer Kollege). Selbst wenn du die bessere Qualifikation hast – da hast du keine Chance.“

„Wieso nicht?“ fragte ich. Die Antwort hat mich geradezu umgehauen: „O. hat doch gerade ein Kind bekommen und muss Frau und Kind ernähren.“ ???? „Aber ich habe auch ein Kind und  muss es ganz allein groß ziehen“ entgegnete ich. Der Redaktionsleiter zuckte mit den Schultern und antwortete „ja, aber das ist was ganz anderes.“ Erklären konnte er mir das nicht.

Ob mich das wütend machte? Ja. Damals gab es noch keine Gleichstellungsbeauftragte.

Im weiteren Verlauf meiner freien journalistischen Tätigkeit habe ich es immer wieder erlebt, wie männliche Kollegen für gleichwertige Arbeit höhere Honorare bekamen. Wenn ich das ansprach oder selbstbewußt um mein Honorar verhandelte wurde mir mitunter regelrecht gedroht, ich bekäme keine Aufträge mehr, wenn ich als „schwierig“ gelte. Ich würde von mir sagen, dass ich alle möglichen Macken und Kanten habe, aber „schwierig sein“ gehört nicht dazu.

Frauen, die verhandeln und angemessene Honorare für ihre Leistung einfordern gelten als schwierig. Männer, die genau das gleiche tun, gelten als selbstbewußt. Das ist auch heute noch so.

Ob ich deshalb die Männer weniger liebe? Nein. Sie gehen mir manchmal auf den Keks wenn sie mir die Welt erklären wollen, sie nerven mit ihrem Machtgehabe, den autistischen Zügen, den übergroßen Egos und all der Schaumschlägerei. Aber ich liebe sie.

Wir sollten bei all der berechtigten Genderdiskussion nicht vergessen, daß es viele emphatische, sensible, leise, rücksichtsvolle und einfühlsame Kerle gibt – die wir im lauten Getümmel auch gern mal übersehen. Deshalb Ladys, schaut hin, es gibt sie!

Schweiz: Nachhaltig Reisen

Greta Thunberg hat viel bewegt. Ich würde sogar sagen sie hat das kollektive Bewußtsein verändert, egal ob man sie mag oder nicht. Viele denken inzwischen über die Umweltkonsequenzen  einer geplanten Reise nach und setzen sich nicht mehr mir-nichts dir-nichts ins Flugzeug. Man muss aber nicht unbedingt Flugscham verspüren, um eine Bahnreise in Erwägung zu ziehen, vor allem dann, wenn die guten Verbindungen zum Zielland und die Infragstruktur vor Ort es anbieten, ohne Flügel und Verbrennungsmotor anzureisen. Weiterlesen

Schweiz: Frauen, die auf Ziegen starren

ich mache gern Yoga, wo immer ich bin. Jetzt gerade bin ich im Hund mit dem Kopf nach unten, auf einer grünen Wiese im Oberengadin, etwa 1800 Meter über dem Meeresspiegel, mit umgekehrtem Blick auf die schweizer Berge, unweit von Sankt Moritz, dort, wo die Menschen im Winter mit ihren Pelzen Schau laufen und mit High-Tec-Outfits die Pisten unsicher machen. In Sommer und Herbst hingegen müssen sich die Dörfer rund um die Skigebiete etwas einfallen lassen.

Ziegen-Yoga

„Geissen-Yoga“ ist so eine Disziplin aus der Kreativkiste für Alternativangebote. Immer noch im herabschauenden Hund blicke ich durch meine Arme hindurch und sehe auf dem Kopf stehende Berge im Hintergrund, davor Momo. Oder ist es Zwirbel? Braunie? So heißen sie nämlich, die Ziegen von Nicole Buess. Einst vor dem Schlachter gerettet haben sie nun ihre Bestimmung darin gefunden, Ziegentrecking mit Touristen zu machen oder eben Geissen-Yoga. Weiterlesen

Operation Matterhorn. Wie bitte?

Rein sprachlich betrachtet klingt an, dass weltweit gerade entweder eine kriegerische Auseinandersetzung, eine tödliche Gefahr, eine Ökokatastrophe, zumindest aber eine unberechenbares bedrohliches Ereignis stattfindet. Nüchtern betrachtet dreht sich die Berichterstattung darum, dass die Touristen nicht planmässig zurück fliegen können oder eben nicht planmäßig in Urlaub fliegen können.

Als ich die Nachricht von der Thomas-Cook Pleite las war mein erster Gedanke: oh je, die haben eine Menge Mitarbeiter. Menschen, die jetzt von einem Tag auf den anderen  arbeitslos werden. Ich sehe Arbeitsvermittler, die hilflos mit den Achseln zucken, Weihnachtsbäume ohne Geschenke und Kinder, die vom Fußballclub abgemeldet werden. Als hätten die Engländer nicht schon genug Gram mit ihrem Brexit. Aber es betrifft ja auch nicht nur die Engländer.

Weltweit hat das Unternehmen 21.000 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren. Das sind viele. Und da reden wir noch nicht von dem touristischen Rattenschwanz der hinten dran hängt: Hotels in der ganzen Welt, die ihre Zimmer auf Monate für den großen Reiseveranstalter geblockt haben, die oft völlig abhängig sind von diesem einen großen Touristikkonzern. Kommen die Gäste nicht, bleiben die Zimmer leer und die Gesichter sind lang bei denen, die vom Tourismus leben, drüben an den Stränden der Welt: die Kellner, die Animateure, die Zimmermädchen, die Köche, die Strandwärter, die Busfahrer. Das wäre ja schon mal ein paar Zeilen wert. Weiterlesen

Ibiza kann auch schlicht

Ich war schon so oft auf Ibiza und doch entdecke ich immer wieder Überraschungen. Diesmal bin ich mit einem Nachtflug gekommen und wollte vermeiden, in der Dunkelheit auf unbekannten und kurvenreichen Schotterstrassen zu meinem Domizil in den Bergen Nordibizas zu fahren. Deshalb habe ich mich kurz entschlossen in einem kleinen Hostal in der Nähe des Flughafens einquartiert. Es liegt direkt an einem der schönsten Strände Ibizas, an der playa salina. Die Lage ist nicht zu toppen. Es ist klein, urig und familiär. Weiterlesen

Diese Reise ist nachhaltig und ökologisch

Der Ort, nach dem du immer gesucht hast, ist der Platz, von dem du bereits die ganze Zeit schaust. (Franz von Assisi)

Reisen weitet den Horizont, hilft die Perspektive zu wechseln und die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Beim Reisen verläßt du deine Komfortzone. Und manchmal tut es weh. Aber am Ende einer jeden Reise fühle ich mich gut. Ich habe neue Erfahrungen gemacht, frische Haltungen entwickelt, Mut geschöpft.

Komm mit auf eine innere Reise

All das trifft in besonderen Maßte auf eine Reise zu, die ich in diesen Tagen unternommen habe. Georg Lolos hat mich dazu eingeladen, er hat mich mitgenommen  in ein Land, das ich zwar glaubte zu kennen aber nie so gesehen habe. Das Land (oder Haus) heißt Ego und besteht, so der Autor, aus unterschiedlichen Räumen. Auf dieser Reise bin ich durch 10 Ego-Räume gewandert, einige davon kamen mir sehr bekannt vor, manche haben mich zum Weinen gebracht. Mein Guide auf dieser inneren Reise:  Das Buch „Du bist nicht, was du denkst“ von Georg Lolos. Georg hat 3 Jahre lang in einem französischen Kloster gelebt, dem Plum Village und war dort Schüler von Thich Nhat Hanh. Er ist Achtsamkeitscoach in Köln und leitet dort mit Beata Korioth die „School of Beeing.“ Weiterlesen